Zilath

Eine Bibliothek zur Prüfung von Nachteilsausgleichen ohne Verarbeitung von Gesundheitsdaten.

Wer einen gesetzlich zustehenden Nachteilsausgleich in Anspruch nimmt — eine Begleitperson, bevorzugten Zugang, einen ermäßigten Tarif — muss ihn nachweisen. Vor Ort genügt es, einen Ausweis vorzuzeigen. Auf einem Fernkanal gab es dafür bislang keine Entsprechung, und so nimmt der Nachweis die Form einer Kopie an: als Anhang einer E-Mail, als Upload in ein Formular, gesendet an eine Kasse oder eine Einrichtung. Die Kopie verbleibt danach in deren Systemen.

Diese Kopie ist nicht erforderlich. Der Europäische Behindertenausweis — unionsweit eingeführt durch die Richtlinie (EU) 2024/2841 — existiert bereits in digitaler Form: in Italien seit Dezember 2024 in der öffentlichen Brieftasche der IO-App, von der ausstellenden Stelle signiert und kryptografisch überprüfbar. Es fehlt die Komponente, mit der eine Website einen solchen Nachweis prüfen kann. Zilath ist diese Komponente, und sie ist quelloffen.

Gestaltungsgrundsätze

  1. Die Prüfung geht nie zulasten der geprüften Person. In keiner Form und in keiner Phase. Dies ist eine Vorgabe des Projekts und keine Preisentscheidung, und sie gilt für alles, was daraus hervorgeht.
  2. Weder Diagnose noch Dokument werden je angefordert. Die Bibliothek prüft eine kryptografische Vorlage und gibt das Minimum zurück: ob der Anspruch besteht. Krankheitsbild, Grad und Bescheid gelangen nie in das System, weil sie nie angefordert werden.
  3. Was verbleibt, wird genau benannt. Der vorgelegte Nachweis wird nie gespeichert: Er wird geprüft und verworfen. Für die Dauer des Vorgangs verbleibt das Ergebnis, das bei erfolgreicher Prüfung die tatsächlich offengelegten Attribute enthält — sie müssen zwischen der Antwort der Brieftasche und dem Auslesen des Ergebnisses existieren. In der Standardkonfiguration verbleiben sie im Arbeitsspeicher und verfallen von selbst. Dies wird ausdrücklich gesagt, weil die Aussage „es wird nichts gespeichert" ansprechender und weniger zutreffend wäre.
  4. Kein Profiling. Es gibt keine personenbezogenen Zähler, keine Historie und kein aufzubauendes Profil, auch nicht zur Missbrauchsprävention. Missbrauch wird dort behandelt, wo er auftritt, und nicht durch das Führen von Verzeichnissen über Anspruchsberechtigte.
  5. Der gesamte Quellcode ist offen. Kein Kern, keine Community-Edition: alles, unter AGPL-3.0. Wer die Bibliothek einbindet, kann genau nachlesen, was sie mit den Daten des Gegenübers tut, und wer nicht überzeugt ist, kann prüfen statt vertrauen.
  6. Das Projekt zertifiziert niemanden. Die einzige Autorität ist der Staat, der den Nachweis ausgestellt hat. Die Bibliothek entscheidet nicht über Ansprüche, führt kein Register, erteilt keine Akkreditierung und stellt sich nicht zwischen eine Person und ihren Anspruch. Sie prüft eine Signatur.

Hintergrund

Die Weitergabe von Dokumenten hat sich gehalten, weil es für den Fernkanal keine praktikable Alternative gab — nicht, weil jemand sie gewählt hätte. Datenschutzbehörden vertreten seit Langem, dass für die Gewährung einer Vergünstigung das Vorzeigen des Dokuments genügt und die Aufbewahrung einer Kopie über den Zweck hinausgeht. Öffentliche Brieftaschen beseitigen das letzte Hindernis: Der Nachweis ist bereits ausgestellt, bereits signiert und bereits im Besitz der berechtigten Person.

Zilath war der oberste Beamte der etruskischen Stadt: das Amt, das feststellte und bestätigte. Feststellen, nicht urteilen.

Die Bibliothek

Zilath ist eine Kotlin/JVM-Bibliothek, mit der eine Anwendung als OpenID4VP-Relying-Party im IT-Wallet-Profil auftreten kann: Sie fordert einen Nachweis aus der Brieftasche an, prüft ihn kryptografisch und gibt ein Ja oder Nein zurück.

Sie ist freie Software unter AGPL-3.0. Wer offene Software entwickelt, nutzt sie unentgeltlich; eine kommerzielle Lizenz deckt die Einbindung in proprietäre Produkte ab und ist die einzige vorgesehene Einnahmequelle des Projekts. Sie betrifft nie die geprüfte Person.